Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt sich Corina bei Vitra mit Räumen, die Menschen inspirieren, willkommen heißen und positive Resonanz erzeugen. Sie spricht regelmäßig auf Panels zu den Themen Hospitality & Guest Experience, Nachhaltigkeit im Design, Zukunft des Wohnens und kulturelle Verschiebungen. Für die ELBA Conference haben wir mit ihr über die Kraft von Design, das Gastgeber-Mindset und innovative Konzepte für die Generation 50+ gesprochen.
Corina, du kommst aus dem Hospitality-Bereich. Welche Prinzipien aus Hotels und High-End-Hospitality können Senior-Living-Konzepte heute bereichern?
Corina Meroth:
„Für mich ist das zentrale Prinzip das Gastgeber-Mindset: Menschen nicht nur zu empfangen, sondern sich in ihre Perspektive hineinzuversetzen und eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich selbstverständlich wohlfühlen.
In der Hospitality geht es nicht allein um Standards und funktionale Anforderungen. Entscheidend sind die unterbewussten Bedürfnisse, die erfüllt werden, ohne dass sie je ausgesprochen werden. Dieses Prinzip gilt im Hotel, in der Gastronomie und überall dort, wo Menschen verweilen.
Im Senior Living kommt dieser Haltung eine besondere Verantwortung zu: Hier gestalten wir nicht für Stunden oder Wochen, sondern für einen ganzen Lebensabschnitt.
Menschen in dieser Phase sind oft verletzlich; sie geben ein Stück Individualität auf und ziehen in eine Umgebung, die weniger Privatsphäre und mehr geteilte Flächen bedeutet. Genau hier zeigt sich die Kraft eines durchdachten Hospitality-Mindsets: Es schafft nicht nur Komfort, sondern auch Orientierung und Sicherheit ausserhalb des Gewohnten.“
Gibt es Möbel oder Konzepte von Vitra, die sich überraschend gut für Senior Living eignen?
Corina Meroth:
„Eigentlich eignet sich ein Großteil unseres Wohnportfolios für Senior Living; vorausgesetzt, man trifft die richtige Materialauswahl oder setzt kleine Anpassungen wie Sonderhöhen um.
Ein eher überraschendes Beispiel ist unser Sitzsystem Soft Work: Ursprünglich für moderne Arbeitswelten entwickelt, dient es als Zentrum für darum angeordneten Tischarbeitsplätze.
Genau diese Eigenschaften, die arbeitsorientierte Sitzhöhe, die Modularität und die raffinierte Integration funktionaler Elemente in die Wohnlichkeit eines Sofas, machen Soft Work auch für Senior Living interessant.
Es eröffnet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, gemeinschaftlich genutzte Flächen aufzuwerten und dabei Komfort, Flexibilität und Ästhetik zu verbinden.“
Wenn du ein Senior-Living-Konzept der Zukunft frei gestalten könntest – wie würde es aussehen?
Corina Meroth:
„In meiner Vorstellung entstehen Generationenhäuser, in denen Jung und Alt täglich voneinander profitieren.
Die Kindergartengruppe meiner Töchter besucht regelmäßig Seniorenresidenzen, um an Feiertagen zu singen. Wie schön wäre es, wenn solche Begegnungen nicht auf besondere Anlässe beschränkt wären, sondern durch ein gemeinsames Gebäude selbstverständlich würden?
In einem Generationenhaus wäre gutes Interior Design entscheidend: Unterschiedliche Zonen müssten Rückzug ermöglichen und gleichzeitig Begegnungen fördern.
Natürlich stellt das Thema Infektionsschutz durch Kinder besondere Anforderungen, aber ich bin überzeugt, dass Teilhabe und Miteinander für beide Seiten von großem Vorteil sind.
Viele Kinder wachsen heute ohne Nähe zu ihren Großeltern auf, und viele Senior:innen leiden unter Einsamkeit. Wenn Miteinander zum Prinzip wird, steigert das die Lebensqualität und Akzeptanz auf beiden Seiten.“
Corinas Blick auf Senior Living zeigt, welches Potenzial in einem echten Gastgeber-Mindset steckt und wie sehr Design unser Miteinander prägen kann.
Welche Konzepte daraus entstehen und welche Best Practices bereits heute funktionieren, gestalten Sie auf der ELBA Conference aktiv im Austausch mit führenden Entscheidern und Innovatoren. Am Konferenztag haben Sie die Möglichkeit, sich mit Corina Meroth zu diesen und weiteren Themen persönlich auszutauschen.





