Design ist mehr als Design – Ein Q&A mit Sebastian Blancke und Mathis Malchow von OOW Architekten

Zwei Männer lächeln vor einem Hintergrund mit dem Zitat Design ist mehr als Design.

Das Berliner Architekturbüro OOW hat sich vom Geheimtipp zu einem der angesagtesten Gestalter kraftvoller Architektur entwickelt. Auftraggeber sind Kunden wie der Deutsche Bundestag, VW, René Benko oder das Augustinum. Die Gründer Sebastian Blancke und Mathis Malchow denken Räume immer zuerst vom Nutzer her, der später dort leben oder arbeiten möchte. Und dieses Augenmerk macht sich in einem Segment besonders bezahlt, zu dem Co-CEO Blancke eine besondere Beziehung hat: Architektur für ältere Menschen.

Für den OOW-Chef, der im Zivildienst Demenzkranke betreut hat, ist Design mehr als Optik. Ziel ist es, Wohnlichkeit, architektonische Qualität sowie Ästhetik und Funktionalität zu verknüpfen.Wir haben Sebastian Blancke und Mathis Malchow einige Fragen gestellt:

Was macht gutes Design aus, gerade im Senior Living?

Sebastian Blancke:
„Das ist eine spannende Frage, weil die Antwort darauf für jedes Projekt eine andere ist. Architektur ist kein sich wiederholendes Mantra, sondern reflektiert den Ort, aber vor allem das, was Nutzer wirklich benötigen – also die Menschen, die dort später leben und arbeiten wollen. Mit diesem Blick gestalten wir Grundrisse, die ‚im echten Leben‘ funktionieren und kombinieren Materialien, Farbe und Licht.

Ganz ehrlich: Darin unterscheidet sich Senior Living nicht von anderen Projekten. Aber: Im Alter nimmt die Bedeutung der eigenen vier Wände zu. Deshalb ist es so wichtig, Sinnhaftigkeit, Detailverliebtheit und Eleganz zu kombinieren. Und genau das macht das Thema Senior Living zu einer Herzensangelegenheit für OOW.“

Bei Projekten wie dem Augustinum Kassel zeigt ihr, dass Senior Living elegant und wirkungsvoll sein kann. Welche Faktoren machen ein Senior-Living-Projekt heute zu etwas, das Menschen wirklich anspricht?

Mathis Malchow:
„Starkes Senior Living macht keine Abstriche bei der Ästhetik und ist zugleich wohnlich und funktional. Man darf nie vergessen: Menschen leben und arbeiten gern in Räumen, weil sie sich wohlfühlen, sie sich sicher fühlen, ihnen die Arbeit leicht von der Hand geht. Gerade vermeintlich kleine bauliche Details können das Leben enorm verbessern.

Aus diesem Grund führen wir zum Beispiel gern Interviews mit Dienstleistern und potentiellen Bewohnern, bevor wir loslegen: Was macht ihren Alltag leichter und wie sieht für sie ein perfekter Raum aus? Diese Erkenntnisse fließen in unsere Gestaltung ein.

In der Augustinum-Einrichtung, von der du gesprochen hast, erzeugen zum Beispiel Raumteiler Privatsphäre, daneben gibt es aber auch bewusst dezente Durchblicke. Fast alle Oberflächen dämpfen den Schall, der Raum hat verschiedene akustische Zonen. Wir arbeiten zudem viel mit indirektem Licht, das wir mit Spot-Akzenten kombinieren. Das Ansprechende des Designs entsteht unserer Meinung nach aus dem richtigen Verhältnis zwischen Harmonie und Spannung; also aus wohl temperierten Kontrasten.“

Modernes Restaurant mit hellem Interieur, festlich gedeckten Tischen, weißen Tischdecken, Gläsern und großen Fenstern.

Architektur, Licht Interior – bei OOW verschmelzen Elemente zu einem Ganzen. Wie gelingt es, Design, Funktionalität und Lebensqualität so zu verbinden, dass Bewohner, Betreiber und Investoren gleichermaßen profitieren?

Sebastian Blancke:
„Man kann sich den Architekten wie den Dirigenten eines Symphonieorchesters vorstellen. Neben den Bewohner:innen, Betreibern und Investoren ist das Orchester besetzt mit Fachplanern wie Statikern, Brandschützern, Haustechnikern, aber auch mit Behördenexperten. Die Partitur besteht aus Anforderungen und Normen.

Der Dirigent, also der Architekt, muss das alles zu einem wohl klingenden Ganzen zusammenbringen, das zudem ökonomisch ist und pünktlich fertig wird. Das kann man nur erreichen, wenn man ein starkes Konzept mit Kompromissbereitschaft vereint und immer die richtigen Prioritäten setzt. Jede Stimme muss sich entfalten und gleichzeitig dem großen Ganzen unterordnen.

Wir sorgen dafür, dass dabei der Blick für das große Ganze nicht verloren geht und die Essenz des Designs und der Funktion erhalten bleibt. Das erfordert viel Kreativität in der Lösungsfindung. Zum Glück scheint uns die kreative Energie nie auszugehen. Und ja – ein echtes Symphonieorchester würden wir gerne mal dirigieren. (lacht)“

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